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Montag, 20. April 2026

„Wir sind für die Menschen da“

Peter Astashenko über Ankommen, Verantwortung und die Zukunft des Werkhof Regensburg

Seit dem 1. Januar 2026 ist Peter Astashenko Geschäftsführer der Werkhof Regensburg gGmbH. Gut 100 Tage später blickt er zurück auf eine intensive Anfangszeit, spricht über Verantwortung, Veränderung und darüber, wie er den Werkhof für die Zukunft aufstellen möchte.

Mit einem leichten Schmunzeln beschreibt er seine ersten Monate im Werkhof:

„Die ersten 100 Tage haben sich angefühlt wie zehn Jahre.“

Ein Satz, der zunächst schwer klingt – für ihn jedoch keinen negativen Unterton hat.

Als neuer Geschäftsführer sei es ganz normal, dass sich Zeit verdichte. „Ich komme nicht aus dem diakonischen Umfeld, und der Regensburger Werkhof ist ein besonderes Konstrukt“, erklärt er. Wer neu in ein Unternehmen komme, stelle viele Fragen, müsse sich erst einfinden und Zusammenhänge verstehen. Das lasse Zeit manchmal länger wirken, als sie tatsächlich sei.

Verantwortung leben

Auf die Frage, ob es einen Moment gab, in dem er gemerkt habe, jetzt angekommen zu sein, kann er keinen expliziten Zeitpunkt nennen. „Auch wenn man sich erst einmal orientiert, ich habe vom ersten Tag an ja die Verantwortung für meine Mitarbeitenden.“
Tag für Tag gelte es, kleinere und größere Entscheidungen zu fällen – und diese auch zu vertreten. „Wichtig ist, das persönliche Standing zu haben und zu sagen: Es ist mein Werkhof, es ist unser Werkhof. Und ich bin da, um uns Alle gut in die Zukunft zu bringen. Dafür braucht es dann halt auch Entscheidungen.“

Vom Rettungsdienst in die Geschäftsführung

Vor seinem Wechsel nach Regensburg war Peter Astashenko vier Jahre Betriebsleiter eines Rettungsdienstes – er ist nämlich auch gelernter Notfallsanitäter. Der Schritt zurück in die erste Führungsebene war für ihn nicht ungewöhnlich. Schon davor hatte er Führungsfunktionen inne und war im Interims-Management tätig. Die Geschäftsführung einer gGmbH ist aber auch für ihn eine neue Herausforderung. 

Auch wenn es hier tatsächlich ruhiger zugeht, als in der vorherigen Aufgabe. Der Rettungsdienst ist ein 24‑Stunden‑Betrieb, oftmals auch an Wochenenden. „Auch wenn die Verantwortung eine andere ist und die Aufgaben fordernd – ab Freitagabend ist jetzt immer Zeit auch wirklich Durchzuschnaufen.“ 
 

Ein Werkhof mit besonderem Profil

Besonders begeistert zeigt sich Peter Astashenko vom Auftrag des Werkhofs und der Art, wie dieser in Regensburg umgesetzt wird. Der Werkhof ist ein Beschäftigungsunternehmen mit sozialem Auftrag, verbindet diesen jedoch mit einem breit aufgestellten Handwerks‑ und Dienstleistungsbereich am ersten Arbeitsmarkt.

Neben Umzugsservice, Gebrauchtwarenhaus sowie Gartenbau und Grünpflege gehören auch Dienstleistungen in den Bereichen Hausmeisterservice und Reinigung oder IT zum Portfolio. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Handwerksabteilungen – vom Maurer über Elektriker, Schreiner und Schlosser bis hin zu Malern. Alles Meisterbetriebe. 

Maßnahmeteilnehmende haben hier die Möglichkeit, sich in handwerklichen Tätigkeiten zu erproben und anschließend wieder in externe Betriebe zu wechseln. Diese Vielfalt mache den Werkhof einzigartig, sei aber auch anspruchsvoll. Wirtschaftlich sei es deutlich herausfordernder, ein Umzugsunternehmen mit mehreren LKWs zu betreiben, als ausschließlich ein Gebrauchtwarenhaus, wie es viele Initiativen in Bayern tun. „Und mit unserem Handwerk sind wir ohnehin einzigartig.“
 

Ruhe bewahren – auch in herausfordernden Situationen

Ob ihm seine langjährige Tätigkeit im Rettungswesen heute noch hilft, beantwortet Peter Astashenko eindeutig. Dort habe er gelernt, auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. Diese Stressresistenz komme ihm heute in der Geschäftsführung zugute, insbesondere im Umgang mit Konflikten.

Die Vielfalt an Persönlichkeiten im Werkhof, etwa bei Meistern und Bereichsleitungen, empfindet er als Bereicherung. Führung sei dadurch anspruchsvoll, aber auch spannend. Widerspruch sehe er nicht als Problem, sondern als Chance.

„Widerspruch löst Reflexion aus – und kann helfen, Entscheidungen noch einmal zu überdenken und zu verbessern.“
Den Satz „Das haben wir schon immer so gemacht“ könne er allerdings nicht mehr hören. „Wir müssen vorwärts kommen und nicht in der Vergangenheit versauern. Auch wenn ich weiß, dass Menschen Veränderungen immer nicht so gerne haben.“
 

Kommunikation als Schlüssel

Als gelernter Journalist bringt Peter Astashenko ein ausgeprägtes Gespür für Kommunikation mit. Seiner Wahrnehmung nach war diese im Werkhof früher nicht immer einfach oder konstruktiv. Sein Hintergrund helfe ihm, Gespräche klarer zu führen und Dinge auf den Punkt zu bringen.

Geprägt habe ihn dabei nicht nur die Arbeit bei Zeitung und Fernsehen. Peter Astashenko ist  in einem Oberpfälzer Landgasthof aufgewachsen, in dem täglich die unterschiedlichsten Charaktere aufeinandertrafen. Das prägt. Die wissenschaftlichen Grundlagen für seine Tätigkeiten hat er zudem in Bachelor- und Masterstudium an der Uni Passau mitbekommen. 
 

Digitalisierung mit Augenmaß

Etwas, das er sich zu Beginn anders vorgestellt hatte, war der Stand der Digitalisierung. Sowohl bei der IT‑Ausstattung als auch bei den digitalen Abläufen sieht er Aufholbedarf.

„Ich bin Pragmatiker“, sagt er. Prozesse müssten klar, einfach, transparent und rechtssicher gestaltet sein, um Fehler zu vermeiden. Derzeit werde noch viel mit Papier gearbeitet, auch weil der direkte Austausch geschätzt werde. Gleichzeitig binde das Ressourcen.
Als sozialer Betrieb gelte es dabei, eine Balance zu finden zwischen effizienten Strukturen und dem persönlichen Miteinander.

 

Investieren, um Entwicklung zu ermöglichen

Gefragt danach, worauf er nach den ersten 100 Tagen stolz sei, antwortet der neue Geschäftsführer zurückhaltend. Stolz sei für ihn kein zentraler Begriff. Durch sein ausgleichendes Wesen sei es ihm jedoch bisher gelungen, in Differenzen und Konflikten immer tragfähige Kompromisse zu finden.

Zudem habe er begonnen, gezielt in den Werkhof zu investieren. „Wenn etwas wirtschaftlich nicht funktioniert, habe ich drei Möglichkeiten: einen Bereich einstellen, ihn inhaltlich verändern – oder investieren und auszubauen.“ Er habe sich bewusst für Letzteres entschieden, in Kombination mit dem Punkt, Inhalte weiterzuentwickeln und neu zu denken.

Konkret bedeutet das Investitionen in Fahrzeuge – auch mit Blick auf Außenwirkung und Corporate Identity –, in moderne IT‑Ausstattung für Verwaltung und Personalbereich sowie ins Marketing. „Viele Menschen kennen den Werkhof vor allem als Gebrauchtwarenhaus oder Umzugsservice; das breite Leistungsspektrum ist wenigen bekannt.“ Diese Bekanntheit wolle man gezielt ausbauen. 

Unterstützt wird dieser Weg aktuell unter anderem durch zwei Masterstudierende im Marketingbereich, die ihr aktuelles Wissen mit einbringen und am wirtschaftlichen Erfolg des Werkhofs mitarbeiten.
 

Den Geist bewahren – Strukturen weiterentwickeln

Bei allen Veränderungen gibt es für Peter Astashenko etwas, das unbedingt erhalten bleiben soll: der Geist des Werkhofs.

„Wir sind ein sozialer Träger mit kirchlichem Hintergrund, der den diakonischen Gedanken lebt – wir sind für die Menschen da und helfen.“
Das mache den Werkhof aus. Gleichzeitig brauche es moderne Strukturen, um langfristig handlungsfähig zu bleiben. Diesen Spagat wolle er gemeinsam mit den Führungskräften immer wieder bewusst machen und gestalten.

Spontan beschreibt er den Werkhof Regensburg mit drei Begriffen: vielseitigprofessionell und einzigartig – nicht nur in Regensburg, sondern wohl auch darüber hinaus.
 

Blick nach vorn

Worauf er sich besonders freut? Auf ruhigere Fahrwasser, wenn die Weichen für die Zukunft des Werkhofs gestellt sind, und auf Entlastung durch neue, tragfähige Strukturen. Derzeit sei der Umbruch im Werkhof deutlich spürbar, das Ziel jedoch klar: Stabilität und Verlässlichkeit. 
Sein erklärtes Ziel formuliert er mit einem Lächeln: „Ich will der dritte Geschäftsführer des Werkhofs Regensburg sein, der hier in Rente geht.“