Ein Unternehmen der evangelischen Kirche und Logo Diakonie

Mittwoch, 13. Juni 2018

„An neue Aufgabe herantasten…“

Die „Suchtmaßnahme ist mein ,Baby’“, da stecke sie voll drin, schildert Anja Lippert ihr Verhältnis zu ihrer Arbeit. Die Sozialpädagogin ist beim Werkhof überwiegend für Personen tätig, die allesamt Suchtkarrieren durchlaufen haben. Das Ziel dabei: „Dass jemand wieder arbeiten kann und sei´s auch nur auf Basis eines 450-Euro-Jobs!“ Über Arbeitsagenturen und Jobcenter sind die Suchtkranken in die Beschäftigungsmaßnahme gekommen. Dort wird mit einfachen Tätigkeiten ausgetestet, inwieweit sie noch oder wieder belastbar und arbeitsfähig sind.

Neben sonstigen Zuständigkeiten hat die bekennende Oberpfälzerin Anfang Februar eine weitere Aufgabe übernommen. Sie ist Suchtbeauftragte oder „Ansprechpartnerin Sucht und Gesundheit“, wie sie im Gespräch präzisiert. Lippert sieht die Stoßrichtung der aus einer Betriebsvereinbarung resultierenden Stellung keineswegs nur in eine Richtung, nämlich die, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Sie sieht die Aufgabe umfangreicher, möchte auch präventiv tätig werden, Gesundheitsberatung machen, welche „die Ernährung, Bewegung und Psyche umfasst“. Zu ihr kann ein Mitarbeiter kommen, wenn „er meint, ,hey meine Lunge pfeift, ich rauche zuviel‘“, aber auch ein älterer Handwerker, der chronische Rückenschmerzen bei der Arbeit bekommt und oft ausfällt. „Vielleicht braucht er nur regelmäßig Gymnastik, dann schicke ich ihn zu einer Fachstelle“, erklärt Lippert, „oder ich überlege mit ihm, wie der Arbeitsplatz eventuell anders gestaltet werden kann, dass er ohne Schmerzen arbeiten kann.“

Während einer Betriebsfeier Ende vergangenen Jahres ist sie vor versammelter Belegschaft vom Chef Hans Seidl als Ansprechpartnerin für Mitarbeitende vorgestellt worden, die ein Problem mit Alkohol haben und andere Suchtgefährdete. Daraufhin haben sich bereits vier Kollegen gemeldet, die von ihr bereits mehrfach beraten worden sind. Für Lippert geht es darum, „erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufzubauen“ und Betroffenen „die Angst zu nehmen, dass sie beispielsweise nicht fristlos gekündigt werden“. Dann könne man anfangen „zu schauen, welche Hilfsangebote gibt es, ist vielleicht eine ärztliche Diagnose notwendig“ oder steckt der Betroffene „nur in einer schwierigen Phase“ und hat deshalb mehr getrunken, als ihm gut getan hätte. Sie wolle sich erst einmal „an die Aufgabe heranzutasten“, viele lesen und recherchieren, meint die engagierte Beraterin, denn es hänge „ja auch einige Verantwortung daran!“