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Montag, 08. Mai 2017

„Wollte nach ersten Monat wieder gehen…“

Inzwischen sind es über 30 Jahre geworden. Dabei wollte Malermeister Gerhard Pöppl schon nach dem ersten Monat beim Werkhof wieder gehen. Noch in der Probezeit, im September 1986. „Die Bezahlung war mir einfach zu schlecht“, bringt es der sportlich-schlanke Handwerker unverblümt auf den Punkt. Er blieb, wohl auch weil das Gehalt „ein bisschen aufgestockt“ wurde. Neben der Bezahlung, die natürlich immer besser ausfallen kann, nimmt für ihn Fairness einen großen Stellenwert ein – bis heute.

Daran, da stimmt Pöppl mit anderen Werkhofveteranen überein, hat es beim Werkhof nie gemangelt. Am Geld, na ja. Das Auf und Ab in der Arbeitsmarktpolitik, die Förderprogramme mal an- und einige Jahre später wieder abstellt, hat öfter mal dazu geführt, dass beim Werkhof am Jahresende das Geld knapp war. Eine Beteiligung, wie sie anderswo als 13. Monatsgehalt oder Weihnachtszulage geleistet wird, konnte dann oft keine ausgeschüttet werden. Dafür werden die Handwerker seltener über den Winter hin ausgestellt und im Sommer nicht permanent zu Überstunden oder Wochenendarbeit verdonnert. Auch sonst ist beim Werkhof manches ein wenig anders, als woanders.

Pöppl hat das längst schätzen gelernt. Ebenso wie den Chef Hans Seidl, der als Diplom-Pädagoge aus einer ganz anderen Ecke als jeder Handwerker kommt. Mit ihm hat er vor rund 15 Jahren einen informellen Deal geschlossen: „Wir gehen zusammen in Rente!“ Wie sie das machen wollen, lässt er offen. Seidl ist dem 1960 in Beilngries geborenen, faktischen Niederbayern einige Jährchen voraus.

Seinen Schulabschluss und die anschließende Malerlehre – von 1975 bis 78 – hat Pöppl im niederbayerischen Riedenburg gemacht. Hier ist er auch in Schloss Prunn aufgewachsen und nach der Lehre mehrere Jahre täglich nach Ingolstadt gependelt. Zu Audi, ans Band, in die Lackerei. Bis ihm – trotz „schönem Geld“, das er damals verdient hat – Schichtdienst und Fahrerei zuviel geworden sind. Zurück im eigenen Gäu, arbeitete er einige Jahre in einem Malerbetrieb in Kelheim, bis ihn „ein Bekannter auf das Stellenangebot des Werkhofs in Regensburg aufmerksam gemacht hat“. Weil er zu der Zeit schon in Neutraubling gelebt hat, schaute er sich den Betrieb in Stadtamhof an – und blieb, nachdem die anfänglichen Differenzen überwunden waren, als vielseitiger Geselle, der auch Böden verlegen konnte.

Ende der 90er Jahre ließ er sich auf hartnäckiges gutes Zureden des Chefs darauf ein, noch einmal die Schulbank zu drücken. Pöppl sollte seinen Meister machen. „Ich war fast 40 Jahre nicht mehr in der Schule!“, beschreibt er stirnrunzelnd die ungewohnte Situation des späten Karriereschrittes. Mehrmals hatte die Führung der Malerwerkstatt gewechselt und Seidl wollte einen zuverlässigen anerkannten Mitarbeiter, der sich nicht wieder von vorne in die Betriebsabläufe und –strukturen einarbeiten und einfinden musste. Zwei Jahre schlug sich Pöppl mit Buchführung und Finanzierungsfragen herum, büffelte zäh an den Wochenenden und konnte endlich im Milleniumsjahr seinen gerahmten Meisterbrief an die Wand hängen.

Seit 1999 leitet er die Malerwerkstatt des Werkhofs, berät Kunden, bildet Lehrlinge oder Umschüler aus und führt ein kleines Team. Am liebsten arbeitet er für Stammkundschaft, „Leute, die immer wieder kommen“, darunter viele private Hausbesitzer. Für diese, wie natürlich auch andere Kunden, macht er „alles, von Beschriftungen, Außenfassaden, Innenräume und malerische Gestaltungen“. Biofarben setzt er auf Wunsch auch ein, aber „heute sind die Farben immer umweltfreundlich, da ist kein Gift mehr drin!“ Bei „Billigfarben“ allerdings spielt er nicht mehr mit. Wenn Kunden „das billigste haben wollen, fang` ich gar nicht erst an“, setzt er dem Trend nach unten klare Grenzen. Auf solche Farben könne er „keine Gewährleistung geben“, erklärt der zweifache Familienvater, seine entschiedene Haltung. Pöppls Antworten kommen kurz, knapp und Präzise – wie Boxschläge.

Die Arbeit beim Werkhof lässt ihm noch genug Freiraum, um seinen sportlichen Hobbies nachzugehen. Winters bevorzugt Eisstock schießen und Ski fahren , im Sommer kegeln und boxen. Das Fußball spielen hat er schon vor vielen Jahren aufgeben müssen. „Die Füße…“, begründet Pöppl lapidar, „…und das Alter“, schiebt er schicksalsergeben hinterher. Der Sohn lernt inzwischen „bei BMW“ – und man spürt, dass der gradlinige Handwerksmeister stolz darauf ist.